Der Emslauf im Warendorfer Ortsteil Einen ist ein kleiner, liebevoll organisierter Volkslauf, der als einer von nur vier Wettbewerben in den Volksbank-Laufcup eingebunden ist. Obwohl das Dorf selbst nur gut 1.000 Einwohner zählt, kommen immer wieder bis zu 500 Läufer hierher. Das liegt sicher auch an der hübschen Ortschaft, die schon mehrfach im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ausgezeichnet worden ist und einmal sogar als schönstes Dorf Deutschlands prämiert wurde. Der kleine Dorfplatz mit der alten Kirche, wo Start und Ziel liegen und die Landfrauen ihre Köstlichkeiten feil bieten, könnte idyllischer kaum sein, um romantische Abendstimmung zu erzeugen.

Foto-Titel: Favorit Philipp Kaldewei (rechts) war zwar als erster bei der Massage, aber über 10 km siegte sein junger Widersacher Jonas Barwinski knapp

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Der Hauptwettbewerb ist fraglos der vermessene 10-km-Lauf, zu dem mehr als sechzig Prozent aller Läufer melden. Als ausgemachter Favorit galt in diesem Jahr Philipp Kaldewei vom LV Oelde, der hier schon oft siegreich war und auch mehrfach die Cupwertung gewann. Im ersten Rennen um den Cup vor zwei Wochen in Ostbevern hatte Kaldewei mit seinem Sieg den Grundstein für eine Titelverteidigung gelegt, recht deutlich vor dem jungen Herausforderer Jonas Barwinski von der LG Ahlen. Diesen hatte er vor einem Jahr in Einen um rund drei Minuten distanzieren können. Diesmal jedoch war Barwinski hochkonzentriert und ließ Kaldewei auf dem nicht ganz einfachen Rundkurs nicht nach vorne entweichen. Noch hundert Meter vor dem Ziel klebte Barwinski wie eine Klette an Routinier Kaldewei, um ihn im entscheidenden Spurt auf der Zielgerade erstmals hinter sich zu lassen. Barwinski siegt in 34:19 min vor Kaldewei in 34:24 min und Julian Stürznickel vom Triteam Hamburg in 37:05 min. Bei den Frauen hatte die Cupfavoritin Sonja Kortmann aus Münster in Ostbevern noch eine klare Niederlage kassiert gegen die überraschend startende Britin Caroline Hoyte, die schon im englischen Nationalteam stand und mit einer 36er Zeit einen neuen Streckenrekord aufstellte. Diesmal war Kortmann allein auf weiter Flur und siegte in 40:12 min, wieder knapp die Schallgrenze verpassend. Mehr als fünf Minuten später lief Josefine Rusak von der LG Ahlen in 45:20 min als zweite über die Ziellinie vor Seniorin Maria Feyerabend (LSF Münster) in 46:15 min.

Sehr überschaubar waren die Felder beim Lauf über zwanzig und 5,4 km. Die Langdistanz, nicht ganz einfach zu laufen mit verschiedenen Untergründen und leichten Wellen, absolvierte Sebastian Fischer vom TV Friesen Telgte in 1:16:15 h am schnellsten. Als zweiter lief der aktuelle deutsche Meister im 6-h-Lauf, Christoph Marquardt von der LG Deiringsen, in 1:19:11 h über die Ziellinie. Bronze ging an Julian Meister aus Warendorf in 1:23:33 h. Bereits als Gesamtfünfte finishte Stephanie Rühe vom WSU TriTeam in 1:30:37 h vor Vereinskameradin Conny Sander in 1:40:34 h. Dritte von nur fünf Frauen wurde Bettina Riedel (ohne Verein) in 1:51:31 h. – Der Jedermannslauf über 5,4 km sicherten sich der aus Eritrea stammende Amanuel Desale im Trikot der LG Ahlen klar in 19:13 min sowie Theresa Hunkemöller aus Sendenhorst in 24:59 min. Silber ging je an David Severin aus Münster (20:26 min) und Ute Haarmann von den Lauffreunden Stefansbecke (26:36 min). Der Schülerleistungslauf über 2,4 km ging an ein einheimisches Geschwisterpaar. Fabian Drob (9:48 min) und Schwester Sarah (10:24 min) sicherten sich die Pokale.

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10 km Siegerin Sonja Kortmann

 

Auf gutes Wetter hoffen in Einen zwar auch die Läufer, aber vielmehr noch die Einradfahrer, denn Rutschgefahr auf regennasser Fahrbahn soll es für die meist sich im Schüleralter befindlichen Akteure möglichst nicht geben. Der Einradwettbewerb über 2,4km, der die Veranstaltung eröffnet und die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich zieht, hat bei Volksläufen in der Region fast schon ein Alleinstellungsmerkmal erreicht. Am Start waren immerhin 39 Balancekünstler, allesamt weiblich, und mit dabei eine international erfolgreiche 17-Jährige namens Ronja Bushuven. Diese hatte erst zwei Wochen zuvor in den Niederlanden bei der Einradeuropameisterschaft mehrere Medaillen für Deutschland gewonnen, unter anderem Gold im Marathonwettbewerb über 42,2 km in 1:46 h. Klar, dass sie auch in Einen als Favoritin galt. Sie siegte in einem spektakulären Rennen in 8:44min mit mehr als zwei Minuten Vorsprung. Im Übereifer mussten zwar zwei, drei Teilnehmerinnen doch unfreiwillig vom Rad, konnten die Ministürze aber artistisch abfedern und kamen wohlbehalten im Ziel an.

Spannend wird es in diesem Herbst in der Männerwertung bei den letzten beiden Cuprennen in Telgte und Everswinkel, denn Kaldewei und Barwinski liegen im Punkteranking gleichauf. Kaldewei stapelt tief, wenn er meint, dass die Zeit für die Jugend und gegen ihn spreche. Noch ist der 36-jährige Routinier nicht geschlagen. (Fotos und Text: Michael Schardt)